Die besten Menschen der Welt
Die Angewohnheit gewisser Kreise, die Theater AG des Wolfgang-Borchert-Gymnasiums mit Quarzstein zu vergleichen, hat in den vergangenen Jahren nicht nur Überhand genommen – sie ist zu einer rechten Plage für alle Beteiligten geworden! Umso wichtiger scheint es mir, an so exponierter Stelle wie dieser in aller Deutlichkeit Kontra zu geben und die teils tiefgreifenden Unterschiede zwischen der Theater AG und besagtem Quarzstein zu erwähnen: so existiert Quarzstein beispielsweise seit Anbeginn der Erdgeschichte – die Theater AG dagegen erst seit dürftigen 33 Jahren.
Das heißt, so dürftig nimmt sich dieser Wert mitnichten aus: Zieht man nämlich in Betracht, dass das WoBoGym überhaupt erst seit 36 Jahren existiert, die Theater AG also über 92% der Zeit Teil der Schulgeschichte war, spätestens dann wird man der Rolle gewahr, die diese Laientruppe unter Leitung eines sehr gewissen Studienrates für den Ruf des Gymnasiums gespielt hat.
Besagter Studienrat – das ist Herr Heller, von seinen Schauspielern und Bühnenbildnern keck „Hansi“ genannt. Nicht auszudenken, was unserer Schule verwehrt geblieben wäre, hätte sich eben jener Hansi nicht dazu entschlossen, das süße Leben am Mittelrhein, die immerwährende Weinseligkeit zwischen sonnigen Hügeln einzutauschen gegen halstenbeker Moorlandschaften, gesäumt von speckigen Menschen und moosigen Backsteinklitschen!
Müßig aber der Gedanke, denn Gott sei Dank – er ist nach Halstenbek gekommen, und hat sich dort sehr flugs daran gemacht, die hier besungene Institution zu gründen: im Herbst 1978 war es soweit, als ein unscheinbarer Aushang am Schwarzen Brett das Fundament für über drei Jahrzehnte voller Schweiß, Blut und Tränen bilden sollte. „Bunbury“ von Oscar Wilde wurde damals, im allerersten Jahr, auf die Bühne gebracht, und Lokalpresse wie Publikum zeigten solch freudige Erregung, dass man sich kurzerhand entschloss, im darauf folgenden Jahr nochmals Wildes Komödie zu präsentieren. Seitdem gestaltet sich das Programm der Theater AG freilich etwas vielseitiger:
„Romeo und Julia“, Bölls „Katharina Blum“, vor allem aber natürlich der Salonkomödie in der Tradition Oscar Wildes haben sich die zahlreichen, ja, geradezu zahllosen Schülergenerationen der Theater AG angenommen – Jahr für Jahr von des ewigen Herrn Hellers gütiger Hand behütet und bisweilen auch gezüchtigt. Bildlich gesprochen, versteht sich.
All das trägt seine Früchte: so ist es der Kombination aus dem Jahre 1981 und der Theater AG zu verdanken, dass unsere Schule so heißt, wie sie heißt: „Draußen vor der Tür“ von Wolfgang Borchert hatte man da gerade in ganz offensichtlich sehr überzeugender Manier gespielt, und eh man sich’s versah, hieß die Schule nach dem Autor – spätestens seit diesem Tag ist jedem ordentlichen WoBo-Eleven ein Bewusstsein für jegliche Umtriebe und Machenschaften der AG zu eigen.
Doch genug des Vergangenen – heute sind wir Schüler und Ehemalige vor allem eines, wenn unsere Gedanken um all die Montag- und Mittwochabende, die Generalproben und die Weihnachtsfeiern kreisen: dankbar. Dankbar für die Albernheiten, dankbar für den stets maßvollen Biergenuss, dankbar für Ihre stehenden Ovationen, – und dankbar für Hansis helfende Hand.
Nun soll es aber noch ein wenig um den schnöden Mammon gehen – ohne den spielt und bühnenbaut es sich nämlich schlecht. Seien Sie also kein Frosch und besuchen Sie auch in Zukunft unsere Aufführungen! Da Sie sich diesen Text gerade in der Jahresend-Wolfgäng zu Gemüte führen, heißt das zwar, dass sie sich noch fast ein ganzes Jahr lang in Geduld werden üben müssen – aber die zahlt sich aus! Versprochen.
Justin Andreae







